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Selbstbestimmung

Selbstbestimmung, Selbstbestimmungsrecht, Entscheidungsfreiheit

Über das Missionieren

Wer an seiner persönlichen Entwicklung arbeitet, ist in der Regel davon überzeugt, dass dies für ihn der richtige Weg ist, dass er das richtige tut. Sonst würde er ja vermutlich etwas anderes tun...

Bei vielen kommt deshalb früher oder später der Wunsch auf, auch andere Personen von ihrem Weg zu überzeugen. Sie wollen ande­ren helfen, ebenfalls den «richtigen» Weg zu finden. Oftmals endet dies in einer grossen Enttäuschung, wenn so nahestehende Personen, wie der Lebenspartner, die Kinder, die Eltern, gute Freunde, usw. ablehnend reagieren. Wenn sie vom «einzig richti­gen», vom besten Weg oder Ziel nichts wissen wollen.

Prioritäten der Zielsetzungen


Wenn wir davon ausgehen, dass wir mehrere, nicht kompatible Zielsetzungen verfolgen wollen, wie entscheiden wir in einer bestimmten Situation, welche Zielsetzung uns leiten soll? Wir haben bereits früher die Wechselwirkung zwischen Zielsetzun­gen und Fähigkeiten diskutiert. Dabei haben wir gesehen, dass bereits vorhandene Fähigkeiten die Wahl der Leitlinie bei einer Ent­scheidung beeinflussen können.

Wie wir gleich sehen werden, treffen wir die Wahl der Ziel­setzung, welche zur Leitlinie bei einer Entscheidung wird, häufig auch in Wechselwirkung mit unserer Umgebung. Andere Personen, Insti­tutionen, Tiere, Pflanzen, die Natur, usw. können die Wahl unserer Zielsetzung bei einer Entschei­dung mit beeinflussen.

Mitverantwortung

Wie sieht es aus, wenn Aufgaben durch eine Gruppe von Per­so­nen wahrgenommen werden. Wer trägt die Verantwortung für die Entscheidungen? Gibt es eine kollektive Mit-Verant­wortung? Wie weit reicht die Verantwortung in einer Gruppe bei einer Kausal­kette von Folgen? Kann die Verantwortung aufgeteilt werden?

Um das Wichtigste gleich vorwegzunehmen: An den Verant­wort­lichkeiten ändert sich nichts. Jede Person ist für die Folgen ihrer Entscheidungen verantwortlich, welche ihrem Bewusst­sein ent­sprechen, bzw. mit dem Kugelmodell dagestellt, für alle Folgen, welche sich innerhalb ihrer Bewusstseins-Kugel befin­den. Die Mit­verantwortung in einer Gruppe oder Firma hängt demzufolge nicht primär von der Position in der Hierarchie ab, sondern von der persönlichen Entwicklung des einzelnen Mit­arbeiters. Um noch­mals auf das Beispiel mit der Lieferung von Komponenten für Kriegsgeräte zurückzukommen, wäre es also theoretisch denkbar, dass die Putzfrau eine Mitverantwortung trägt und die Geschäfts­leitung nicht - nämlich dann, wenn die Putzfrau persönlich ent­sprechend weiter entwickelt ist, also ein höheres Bewusstsein hat, als die Mitglieder der Geschäfts­leitung.

Wenn ich die Folgen einer Entscheidung nicht abschätzen kann

Wir haben zuvor das Bewusstsein modellhaft als eine weisse Kugel um unseren Körper dargestellt. Je grösser das Bewusst­sein einer Person ist, desto grösser ist der Durchmesser dieser Bewusstseins-Kugel. Mit diesem Modell sind wir verantwort­lich für alle Folgen unserer Entscheidungen, welche sich inner­halb unse­rer Bewusstseins-Kugel befinden. Das Licht unseres Bewusstseins leuchtet hier ganz hell, so dass wir innerhalb dieser Kugel die Folgen unserer Entscheidungen sehen bzw. wahrnehmen können.

Man könnte deshalb auf die Idee kommen, sehr weitreichende Entscheidungen durch Personen mit einem geringen Bewusst­sein ausführen zu lassen, da diese ja dann für die Folgen scheinbar nicht verantwortlich wären. Dies wäre aber aus meh­reren Gründen nicht sinnvoll:

Selbstbestimmungsrecht und Eigen­verant­wortung

Bei der Betrachtung der Grundlagen unseres Seins haben wir gesehen, dass die Grundrechte des Seins die persönliche Frei­heit garantieren, wir können tun oder lassen, was immer wir wollen. Andererseits sind wir aber auch verantwortlich für die Folgen von allem, was wir tun oder lassen.

Aufgaben

Bereits im vorhergehenden Kapitel haben wir gesehen, dass Auf­gaben nicht einfach von selbst auftauchen, sie sind nicht «einfach da», sondern sie folgen aus einer bestimmten Ziel­setzung aus dem persönlichen oder beruflichen Bereich. Genauso vielfältig wie die Ziele können deshalb auch die Auf­gaben sein. Die Aufgaben­stellungen entsprechen einem kon­kreten Plan, wie ein Ziel oder Teilziel erreicht werden soll.

Meistens gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, um ein bestimm­tes Ziel zu erreichen. Mit der Wahl der Aufgaben planen wir unse­ren persönlichen Weg zum angestrebten Ziel. Es dürfte sich jedoch kaum um die einzige Möglichkeit han­deln, wie das Ziel erreicht werden kann, sondern einfach den in unseren Augen besten Weg. Die Kriterien, wie wir diesen besten Weg auswählen, sind selbstverständlich sehr indivi­duell.

Die Hierarchie in den persönlichen Zielsetzungen

Zu Beginn dieser Abhandlung haben wir die Bedürfnisse der Men­schen betrachtet und dabei insbesondere auf die Hierar­chie in den menschlichen Bedürfnissen zum Beispiel gemäss Maslow hinge­wiesen: Auf der untersten Stufe stehen die existentiellen Bedürf­nisse eines Menschen und auf der obersten Stufe das Erreichen eines Zustandes mit einem dauernden Glücksgefühl, Selbst­verwirklichung, Seelenheil, Harmonie mit sich selbst oder wie man diesen Zustand auch immer nennen will. Aufgrund dieser Bedürf­nisse setzt sich der Mensch gemäss dieser Theorie seine persön­lichen Ziele. Wenn zum Beispiel die Existenz gesichert ist, ver­sucht er die Bedürfnisse der nächst höheren Hierarchiestufe zu verwirklichen indem er seine Ziele entsprechend setzt. Der bereits mehrfach erwähnten Hierarchie der Bedürfnisse entspricht deshalb eine analoge Hierarchie der Zielsetzungen: Auch unsere Ziel­setzungen lassen sich hierarchisch einordnen.

Mit anderen Worten: Je nach Bedürfnisse, welche wir befriedi­gen wollen, sollten wir unsere Ziele aus der entsprechenden Hierar­chiestufe wählen. Was so einfach und logisch klingt, ist eine häu­fige Ursache von Enttäuschungen in der persönlichen Entwicklung: Bedürfnisse und Zielsetzungen entsprechen sich nicht, sondern widersprechen sich sogar häufig in krasser Weise.

Verschiedenartige Zielsetzungen verfolgen

Wir können selbstverständlich mehrere übergeordnete Ziel­setzun­gen verfolgen. Niemand verbietet uns zum Beispiel sowohl gro­ssen finanziellen Reichtum als auch das Leben der Grundrechte des Seins anzustreben. Ob diese beiden Ziele kompatibel mit­einander sind, hängt vom Stand unserer per­sönlichen Entwicklung ab. Je näher wir dem Ziel der dauern­den Harmonie bereits sind, desto grösser sind die Chancen, dass die beiden Zielsetzungen für uns nicht kompatibel sind. Wie wir bereits mehrfach betont haben, können wir unsere Ziele selbst wählen, wir müssen aber auch mit den Folgen leben. Je mehr nicht kompatible Zielsetzungen wir verfolgen, desto stärker müssen wir unsere Zeit und Energie auf­teilen. Entsprechend werden die möglichen Fortschritte mit zuneh­mender Anzahl nicht kompatibler Ziele grundsätzlich kleiner. Im Extremfalle teilen wir unsere Energien so weit auf, dass überhaupt keine Fortschritte mehr möglich sind - wir treten an Ort.

Zielsetzungen

Es stellt sich früher oder später die Frage, weshalb wir unser Unterbewusstsein beeinflussen «müssen», um uns zu entwic­keln zur dauernden Harmonie. Weshalb «müssen» wir diese Entwick­lung selbst wollen, damit sie stattfindet? Wenn dieses Ziel doch bereits «irgendwo» in uns drin steckt, dann müsste doch auch die Entwicklung auf dieses Ziel automatisch, ohne unser Dazutun, ohne Anstrengung stattfinden!

Trainingslager

Kommen wir zurück auf die eingangs gestellte Frage, wie das Respektieren der Grundrechte des Seins am besten erlernt wer­den kann. Eigentlich sind wir alle bereits daran, dies zu üben - nur sind wir uns dies in der Regel nicht bewusst. Betrachten wir des­halb die Entwicklung der Menschen:

In unserem Alltag werden wir täglich mit vielen Situationen kon­frontiert, wo wir die Grundrechte des Seins, bzw. die daraus folgenden Gesetze einhalten oder verletzen können. Dabei dürfen wir nicht zu weit suchen, jede Handlung, sogar jeder Gedanke bietet uns Gelegenheit dazu: Was kaufen wir ein, wie kochen wir, wie gehen wir mit den Mitmenschen (Partner, Kinder, Mitarbeiter, Vorgesetze) um, wie behandeln wir Tiere und Pflanzen, die Natur, usw.

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