Pumpspeicherung: Pumpspeicherkraftwerke dienen nur dem Gewinn

Wasserkraft ist saubere Energie. Doch die sogenannten Pumpspeicherkraftwerke fressen mehr Strom, als sie produzieren und sind ein Verlustgeschäft für Natur und Klima. Ausgerechnet diese will die Stromwirtschaft im grossen Stil ausbauen. Aber mit »Ausbau der heimischen Wasserkraft « hat Pumpspeicherung nichts zu tun. Ein neues Faktenblatt der Schweizerischen Energiestiftung (SES) erklärt, weshalb der geplante Ausbau unnötig ist. Ein Auszug bzw. eine Zusammenfassung:

 

Bau von neuen Pumpspeicherkraftwerken ist unnötig für die Schweiz

Weder die viel besungene »Versorgungssicherheit «, noch die Netzstabilität, noch der europäische Windboom und auch nicht der Ausbau der erneuerbaren Energien im Inland machen den Ausbau der heutigen Pumpspeicherkapazitäten in unseren Alpen nötig. Der geplante Ausbau ist einzig und allein betriebswirtschaftlich motiviert. Der Unterschied zwischen Bedarfsflaute und Bedarfsspitze in der Schweiz liegt zwischen 1900 MW und 3400 MW pro Tag. Diese Leistungsdifferenzen werden mit Speicher- und Pumpspeicherkraftwerken abgedeckt, welche zusammen eine Leistung von 9650 MW haben. Die variablen Reserven der Schweiz sind also bereits heute mehr als gross genug. 

 

Steigender Stromverbrauch

Heute werden in der Schweiz etwa 40 Pumpspeicherwerke mit einer Pumpleistung von 1700 MW betrieben. Das entspricht der Hälfte der Leistung des schweizerischen AKW-Parks. Diese Pumpen brauchen heute ungefähr die Jahresproduktion des AKW Mühlebergs. Die Schweizer Stromproduzenten bauen, planen und projektieren weitere 8 Pumpspeicherwerke mit einer Gesamtleistung von 4600 MW. Bei dem heute üblichen Pumpbetrieb (29 Std/ Woche) werden all diese Pumpen jährlich gegen 10 Terawattstunden Strom verbrauchen. Dies entspricht in etwa der Jahresproduktion von gut drei AKW Mühleberg oder dem Verbrauch von 1’800’000 Haushaltungen. Weil der Pumpstrom importiert und der Spitzenstrom exportiert wird, braucht es zusätzliche Hochspannungsleitungen. 

 

Gletscher schmelzen /den Klimawandel fördern

Gepumpt wird in der Nacht mit sogenanntem »Überschussstrom« aus nicht regulierbaren europäischen Atom- und Kohlekraftwerken. Dieser importierte Euromix-Strom ist massiv CO2-belastet und lässt in Europa die Atommüllberge wachsen. Das »Weisswaschen« von Kohle und Atomstrom in unseren Alpen heizt unseren Gletschern kräftig ein. Werden die geplanten Pumpspeicher realisiert und wie heute mit Euromix- Strom betrieben, so verursacht der Pumpstrom im Ausland satte 4’000’000 Tonnen CO2. Das entspricht der Klimagasmenge, welche die Schweiz gemäss Kyotoverpflichtung seit 1990 einsparen sollte. Wer Pumpspeicher baut, braucht weiterhin »Überschussstrom «. Der kommt auch in nächster Zukunft vorwiegend aus Atom- und Kohlekraftwerken. 

 

Sind Pumpspeicherkraftwerke morgen ein Verlustgeschäft?

Heute ist die Pumpspeicherung ein gutes Geschäft. Die »Stromveredelung« lohnt sich ab einer Marge von 30%. Wird die Preisdifferenz zwischen billigem Nachtstrom und Tagesspitzen kleiner, so können die Stromverluste (20–30%) nicht mehr gedeckt werden. Und genau das könnte gemäss einer Studie der ETH Zürich in Zukunft eintreten. Einerseits weil durch das Abschalten alter Kohle- und Atomkraftwerke das Angebot an billiger Bandenergie in Europa abnehmen und andererseits die Spitzennachfrage in Italien zunehmend mit Gaskraftwerken abgedeckt werden wird. Sitzen also unsere Stromproduzenten plötzlich wieder auf gestrandeten Investitionen in Milliardenhöhe? 

 

Konkrete Beispiele von Pumpspeicherkraftwerken

Die Kraftwerke Oberhasli AG KWO produzieren an der Grimsel jährlich 2‘272 GWh Strom. Die KWO- Pumpen verbrauchen im Jahr 855 GWh Strom. Damit beträgt die Stromproduktion netto 1‘417 GWh pro Jahr. Die 855 GWh, die als Pumpenergie verbraucht werden, entsprechen dem Jahresverbrauch von 200‘000 Schweizer Haushalten und verursachen im Ausland 342‘000 Tonnen CO2 (Zahlen 2005).

Auch das Axpo-Projekt Linth-Limmern im Kanton Glarus gehört in diese Kategorie. 1‘500 GWh zusätzliche »Wasserkraft« benötigen jährlich 2‘000 GWh Pumpstrom, die wiederum in Europa 800‘000 Tonnen CO2-Emissionen verursachen. 

 

In der Schweiz vorhandene und geplante bzw. sich im Bau befindende Pumspeicherkraftwerke

Heute befinden sich in der ganzen Schweiz 40 Pumpspeicherkraftwerke mit einer Pumpleistung (Verbrauch) von insgesamt 1’700 MW.

Geplante und sich im Bau befindende Pumpspeicherwerke: 

Name
KantonInvestor
Pumpleistung (MW)
Vieux Emosson /Nant de DranceVSAlpiq / SBB600
SambuccoTIMaggia Kraftwerke960
Val d‘AmbraTIAET70
Verzasca IITIVerzasca SA300
KWO Plus BEKWO / BKW350
Linth-LimmernGLAxpo1’140
Puschlav / Lago BiancoGRRätia Energie1’000
ArgessaVSGemeinde Ergisch, Axpo180
Total neue Pumpspeicher:
  4’600

 

Zusammen mit den bereits bestehenden Pumpspeicherkraftwerken entsteht dadurch eine Pumpleistung von insgesamt 6’300 MW.

Als Vergleich: Alle Schweizer Atomkraftwerke zusammen haben eine Leistung von 3’200 MW, also etwa die Hälfte der bald zur Absicherung von «Spitzenlasten» zur Verfügung stehenden Pumpleistung!
Der Unterschied zwischen Bedarfsflaute und Bedarfsspitze in der Schweiz liegt zwischen 1900 MW und 3400 MW pro Tag. Wer immer noch glaubt, Pumpspeicherkraftwerke seien notwendig und dienten der Versorgungssicherheit in der Schweiz, ist selber schuld. Warum sagen uns die Stromproduzenten (einmal mehr) nicht die Wahrheit?

ΞAtomkraft